Felix von Bonin (Hrsg.): Schamanismus und Märchen
Felix von Bonin (Hrsg.) 
Schamanismus und Märchen
  
242 Seiten, Festeinband
978-3-88755-230-5
EUR [D] 19,80

Vorwort
von Felix von Bonin
Die Welt der Schamanen und die Welt der Märchen sind wie Stempel und Abdruck. Beide zeigen uns, wie wir die Welt wieder mit wachen Ohren, offenem Mund und weitem Herzen erleben können.

Schamanische Elemente im Zaubermärchen
von Heino Gehrts
Die Reise des Märchenhelden ist als schamanisch zu verstehen. Er muss seinen Weg durch die untere oder obere Welt finden; er trifft Hilfsgeister, oft magische Tiere; er muss Opfer bringen und er wird eingeweiht, erlangt kostbare Wissensschätze.

Der schamanische Lebensweg
von Amélie Schenk
Das schamanische Berufungserlebnis und der Einweihungsweg des Schamanen zeigen viele Elemente, die auch in Märchen wiederzufinden sind. Weil der schamanische Einweihungsweg ein reales seelisches Erlebnis ist, müssen auch entsprechende Märchenmotive als reale seelische Erscheinungen verstanden werden.

Wenn einer eine Reise tut...
von Felix von Bonin
Das Grimmsche Märchen »Von dem Machandelboom« ist fast vergessen, weil es kaum noch jemand sprachlich und inhaltlich versteht. Oberflächlich erzählt es von einem abscheulichen Kindsmord. Doch liest man genauer, wird eine schamanische Einweihung und Reise beschrieben.

Züge des Schamanentums in der germanischen Überlieferung
von Sigrid Lichtenberger
Auch Odin, der oberste Gott der Germanen, ist Schamane. Seine Hilfsgeister sind die Raben Hugin und Munin, die beiden Wölfe Geri und Freki und sein achtbeiniges Roß Sleipnir. Seine Gefolgsmänner sind die Berserker, die als Bären und Wölfe kämpfen, während ihre Körper wie tot zu Hause liegen.

Die Anderswelt der Kelten
von Holger Kalweit
Hinter dem Schleier der Materie hält ein Netzwerk von Göttern und Feen die Zügel aller irdischen Erscheinungen und menschlichen Geschicke in der Hand. Die irisch-keltischen Märchen erzählen von dieser Anderswelt. Dabei werden die Urgesetze, von denen die Welt erschaffen und zusammengehalten wird, für uns symbolisch greifbar vorgestellt.

Tiere, die zaubern können
von Paul Emanuel Müller
Innere Bilder setzen Kräfte frei. Dem Schamanen erscheinen sie gern in Tiergestalt. Auch im Märchen helfen zauberhafte Tiere dem Helden auf seinem Weg.

Den Schlaf nicht Herr werden lassen
von Werner Zurfluh
Schamanische Reisen und Märchenfahrten gelingen nur, wenn die zauberische Anderswelt mit wachem und klarem Bewusstsein betreten wird. Denn nur mit einem intakten Erinnerungsvermögen lassen sich die anfallenden Aufgaben erledigen.

Andere Wirklichkeiten
von Janine Tatjana Schmid
Durch Trance verändern Schamanen ihr Bewusstsein und ›reisen‹ in die nichtalltägliche Wirklichkeit außerhalb von Raum und Zeit, außerhalb unseres ›normalen‹ Bewusstseinszustands, in eine Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit, die Realität hinter dem Spiegel. Diese Welten und Erfahrungen sind nicht so verborgen, wie wir heute vielleicht annehmen.

Märchen als Initiationsweg
von Sibylle Silvia Helesic Shaman-Ca
Junge Mädchen sprechen mit Haselnussbäumen und bekommen Ballkleider aus Zaubernüssen, sie verstehen die Sprache der Tiere und Pflanzen und gehen mutig und unerschrocken durch den finsteren Wald den Weg der Initiation. In den Märchen sind die Spuren der drei schamanischen Welten sichtbar. Sie zeigen uns Frauen, die Zugang zu den Schöpfungskräften finden und haben.

Jenseitswanderungen in der Volkserzählung
von Felix Karlinger
Offenbarungen einer jenseitigen Welt waren früher verbreiteter und schienen glaubhafter. Deshalb waren auch Seelenerlebnisse wie Wanderungen durch jene Welten nicht grundsätzlich ungewöhnlich. Mythos, Märchen und Legende berichten davon.

Todeserfahrung als Grundlage der Märchenmotive
von Holger Kalweit
Durch die modernen Reanimationstechniken werden viele Menschen wiederbelebt, die sonst gestorben wären. Einige dieser Personen berichten danach, eine Todesreise durchlaufen zu haben, wie wir sie aus den alten Überlieferungen, als auch dem Volkswissen kennen.

Pilze in Märchen, Medizin und Religion
von Hartwin Rohde
Schon für die Riten des Demeter-Kultes in Eleusis wurde das Mutterkorn als Initiationstrank zubereitet. Aus diesem parasitären Getreidepilz wurde in unserer Zeit das Lysergsäurediäthylamid (LSD) entwickelt. In der Zeit dazwischen ziehen Pilze eine Spur auch durch unsere Kultur. In den Märchen kann das nachverfolgt werden wie in den begleitenden gesellschaftlichen Umständen.

Das verlorene Wort, die verlorene Insignie
von Christine Frei
»Wortwörtlich« bedeutet uns, dass unseren Wörtern noch etwas innewohnt, das wir mit Worten nicht mehr fassen können. In den Märchen flackert uns das Wissen um Sprachsymbolik und Lautmystik entgegen. Doch nicht nur Wörtern und Worten, auch Gegenständen wohnen transformative Kräfte inne, wenn wir sie zu erwecken wissen.

Medizinrad und Märchen
von Martin Schmid
Mit Hilfe des Medizinrads können wir die Reise der Seele verstehen und nachvollziehen. Es ist die Beschreibung einer archetypischen Reise, die jeder Mensch durchläuft. Genauso sind Märchen Berichte über diese (innere) Reise. Indem wir Medizinrad und Märchen gemeinsam betrachten, finden wir einen Schlüssel zur Essenz unserer eigenen Reise.

Wenn Märchen wahr werden
von Christine Steiger
Das Märchenland ist Teil der nichtalltäglichen Wirklichkeit, die wir auf geführten Imaginationsreisen besuchen können. Wie bei den Schamanen führt der Weg durch einen visualisierten Tunnel auf die ›andere Seite‹, wo die Reisenden sich selbst als Aschenputtel, Schneewittchen, Hänsel und Gretel oder andere Märchengestalten erleben können. Dabei durchläuft jeder sein eigenes Märchen, dessen Inhalt verändernd auf sein Leben einwirken kann.

Wie unser Alltag zum Märchen wird
von Jakob Oertli
Märchen gleichen einer schamanischen Reise: Nachdem ein Tor oder eine Öffnung durchschritten wird, geschieht Außerordentliches und Zauberhaftes. Diese magische und märchenhafte Qualität lässt sich auch im Alltag erleben.